Und ich schwimme…

Hallo meine Lieben!

Bereits in meinen ersten Beiträgen über mein Studium (hier Nr. 1 und hier Nr. 2) habe ich die Metapher des Schwimmens bzw. die es Sprungs ins kalte Wasser verwendet.

Ich muss sagen, dass ich zum Zeitpunkt des ersten Beitrags fest davon ausging, im Laufe des Semesters unterzugehen. Zu groß war die Angst, zu versagen oder einfach nicht dazu in der Lage zu sein, Menschen kennen zu lernen, die mit mir gemeinsam durchs Studium gehen.
Im zweiten Beitrag merkte ich dann, dass ich mich dank wundervoller Menschen zumindest schon mal über dem Wasser halten kann. (Hallo wundervoller Mensch, der vielleicht sogar mitliest…)

Jetzt ist das erste Semester um und ich kann stolz behaupten, dass ich schwimme. Ich schwimme zwar noch nicht so sicher, wie meine Kommilitoninnen (die inzwischen nicht mehr nur Studienkollegen sind, sondern richtig tolle Freunde von mir sind!), aber ich werde von Woche zu Woche besser.

Die erste Prüfungsphase ist jetzt vorüber und ich habe bisher drei von vier Ergebnissen. Meine erste Prüfung war im Modul „Logik und Berechenbarkeit“ und das direkt eine mündliche Prüfung. Meine Güte ging mir die Düse!
Mit meinen Mädels habe ich mich wirklich ausgiebigst auf die Prüfung vorbereitet. Mehrfach in der Woche haben wir uns Definitionen abgefragt, haben aussagen- und prädikatenlogische Formeln aufgestellt und Prüfungen simuliert, ich war also eigentlich gut auf die Prüfung vorbereitet und man sollte meinen, dass das der Nervosität entgegenwirkt. Ha! Dank Prüfungsangst (oder in meinem Falle schon fast -panik),  Pustekuchen:
Ich habe die Nacht vor der Prüfung kaum geschlafen, mir war den ganzen Tag über speiübel. Dass meine Prüfung erst um 14 Uhr war, hat da auch nicht grade positiv zu beigetragen…
In der Prüfung ist dann genau das eingetreten, vor dem ich die größte Angst hatte – mein Kopf war wie leergefegt. Irgendwie habe ich es aber geschafft, meinem Prüfer genügend Dinge zu erzählen, die korrekt waren. Erste Prüfung, die mental für mich noch dazu die größte Herausforderung also gemeistert (und im Übrigen auch bestanden).

So, dann kam Mathe.
Noch nie in meinem Leben habe ich mich SO viel auf IRGENDWAS, das mit Mathe zu tun hat, so gut vorbereitet. Jeden Tag saß ich in der Bib, habe Aufgaben und Altklausuren gerechnet.
Am Abend vor der Klausur dann wieder das gleiche Spiel, wie vor Logik. Ich kann nicht schlafen, ich male mir die schlimmsten Szenarien aus und komme absolut nicht zur Ruhe.
Ich sitze also in der Matheklausur und bearbeite sie, so gut ich kann. Dann die Durchsage, dass in 15 Minuten Abgabe ist – super. Das einzige, das mich nach der Klausur aufgemuntert hat war, dass alle meine Kommilitoninnen mir zustimmten, dass die Klausur ziemlich genau das Gegenteil von dem war, was angekündigt und somit von uns erwartet wurde… Naja.
Es kam also wie es kommen musste (und irgendwo auch erwartet wurde von mir) – durchgefallen.

Ihr ahnt nicht, wie schrecklich es mir an dem Tag ging, als ich im Notenverzeichnis diese 5,0 sah. Fast den ganzen Tag über habe ich geweint und irgendwo war keine Motivation da, um für die letzten beiden Prüfungen zu lernen. Meine größte Sorge war im Übrigen nicht der Fakt, dass ich durchgefallen bin und die Prüfung wiederholen muss. Ich hatte einfach nur Angst, irgendjemanden zu enttäuschen und ausgelacht zu werden. Allen voran von meine Kommilitoninnen.
Versteht mich nicht falsch, es sind alles super nette Mädels und im Nachhinein merke ich, dass diese Sorge unbegründet war! Aber gerade im Bezug von Prüfungen/ Klassenarbeiten/ Tests die verhauen wurden, habe ich auf meinen Schulen ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht.
Als ich ihnen also erzählt habe, dass ich nicht bestanden habe, hieß es einfach nur „Alles klar, nächstes Semester packst du das, wir lernen mit dir!“. Niemand hat gelacht, niemand hält mich für einen Versager.

Nach ein zwei Tagen die ich echt mies drauf war, habe ich das Lernen dann wieder aufgenommen, schließlich standen zwei noch an.
Die eine habe ich bestanden (ich weiß im Übrigen nicht wie, mit der hatte ich echt schon abgeschlossen, ehe es in die Klausur ging), von der anderen habe ich bisher kein Ergebnis erhalten – das wird wohl auch noch etwas dauern.

Mental hat es mir echt geholfen, mit meiner Mutter, meinem Freund und meinen Freundinnen über meine Ängste zu sprechen. In der Zeit kurz nach Mathe habe ich mir Artikel über Prüfungsangst und mögliche 1. Hilfe-Tipps durchgelesen.
Ich weiß, dass das definitv nichts ist, mit dem ich alleine bin, vor der nächsten Prüfungsphase werde ich (um sie mir etwas angenehmer zu gestalten) die psychologische Hilfe der Uni besuchen – die sind immerhin auf genau so was spezialisiert.

Jetzt hat das zweite Semester angefangen und ich bin motivierter denn je!
Die Module, die ich besuche, machen wirklich Spaß und sind interessant. Dass ich eine Seminararbeit mit einer Kommilitonin gemeinsam bearbeiten darf, freut mich ungemein und wird uns sicher noch mehr zusammenschweißen.

Was ich mit dem Beitrag erreichen wollte?
Ich weiß es nicht so recht, aber vielleicht habe ich dem Ein- oder Anderen helfen können, weil er in derselben Situation steckt wie ich.
Durch Prüfungen fallen ist nicht dramatisch, dafür gibt es immerhin die Möglichkeit an der Uni, Prüfungen zu wiederholen. Es ist sogar normaler, als so manch einer denkt.
Auch die „Regelstudienzeit“ ist mehr eine Empfehlung… oder so 😀
Der eine braucht länger, um etwas zu verstehen, der andere schafft es schneller.
Ich wollte nur weg von diesem höher, schneller weiter, das man auf Social Media gerne sieht. Die liebe @lifeofjvm hat hier einen tollen Instagrampost dazu geschrieben.
Bei mir lief es diese Prüfungsphase mit dieser durchgefallenen Klausur eher mäßig, aber das ist okay so. Aber man liest eigentlich IMMER nur von den guten Seiten auf Instagram und Co. Es gibt halt auch noch diese Realität.
Vielleicht stehe ich jetzt in den Augen mancher als Versager da, der versucht seine Unfähigkeit schön zu reden. Aber vielleicht liest das ja auch ein Gleichgesinnter, der eine ähnliche Meinen vertritt.

Vielen Dank fürs Lesen. Lasst mir gerne eure Gedanken dazu da!

Bis dann
eure Melinda

2 thoughts on “Und ich schwimme…

  1. Was für ein schöner Beitrag, danke für deine Ehrlichkeit. Ich denke, dieser Beitrag hilft auch vielen anderen denen es so geht.

    Informatik ist wirklich nicht ohne, wenn ich in ein Buch dazu reinblicke verstehe ich nur Bahnhof und das, obwohl ich in diesem Bereich seit 6 Jahren tätig bin aber man lernt ja auch nie aus.

    Ich kann und möchte noch so viel dazu lernen, da gerade in diesem Bereich weibliche Power von Nöten ist aber oft fehlt mir die Motivation oder ich „schwimme“ in Arbeit.

    Du siehst, wir alle schwimmen irgendwo! ♡♡

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